Da sitze ich also im Zug gen Norden. Am Nachmittag wurde noch versucht den vier 12jährigen Förderschülerinnen etwas sinnvolles - wie die deutsche Rechtschreibung - beizubringen. Gescheitert bin ich nicht ... aber nah am Scheitern dran.
Weggewischt die Gedanken und nett einen Podcast über den neuen Feudalismus in Deutschland gehört. Ist aber auch ein Jammer, dass es den Kommunismus nicht mehr gibt ... Ein Jammer, denn sonst könnte man sagen: "Die da drüben sind besser dran!" - so jedenfalls wurde es von mir verstanden, als ich langsam wegdöste und erst in Büchen wieder aufwachte.
Büchen. Tja. Büchen ist ein Phänomen.
Vor gar nicht allzu langer Zeit stieg ich dort schon einmal um und fragte jemanden, der Büchener war, ob es sich lohnt auszusteigen und sich für ein paar Stunden die Stadt anzusehen.
"Nein.", war seine klare Antwort. Und ich habe ihm geglaubt.
Und so hetze ich von meinem Bahnsteig zum Bahnsteig 41b. Und das ist ein Bahnsteig, den man nur über eine Schranke innerhalb des Bahnhofs erreichen kann. Jawohl. Eine Bahnschranke innerhalb der Bahnhofsanlage. Auf so etwas geniales muss man erstmal gestoßen werden. Fällt einem spontan ja nicht ein.
Und schon sitze ich in dem überfüllten Zug und höre mir noch einen Podcast an. Dieses Mal über die Zeiten der Wende. Es scheint mir, als hätten Sachbuchautoren nicht wirklich viele Themen, über die sie schreiben. Oder andere Themen werden von den Medien nicht eingeladen.
Wie es auch sei.
Ich komme im heimatlichen Hafen an, werde nach Hause chauffiert und begebe mich direkt sowohl in Feuerlaune als auch nach Nebenan.
Denn meine Tankstellenwärter - Kusine wird 40, hat geheiratet und das will gefeiert sein. Kaum bin ich da, habe ich auch schon ein Bier in der Hand und proste den Menschen zu. DEN Menschen, die ich schon mein gesamtes Leben kenne und allesamt Nenntanten und Nennonkels waren. Ach - allesamt kenne ich sie nicht. Die Freunde meiner Kusine kenn ich nicht. Die stehen aber auch nur dumm rum und trinken Prosecco.
Ich trinke Bier, esse ne kalte Wurst, die übrig geblieben ist und checke die Lage.
Schlagermusik, weißes Partyzelt, Alterdurchschnitt 55. Zeit, damit die Party startet... Und an wem sollte es denn hängenbleiben, wenn nicht an den Jungspunden?
Den Schuh zieh ich mir an.
Und ich zerre meinen kleinen Bruder auf die Tanzfläche, wo gerade der Hochzeitstanz getanzt wird. Ob nun Wolfgang Petri oder Pur. Das kriege ich nicht auseinander. Beides schrecklich. Und es wird getanzt. Ganz einfach, weil es die Gäste sind, die ein Fest erst zu einem Fest machen. Es sind nicht die Gastgeber. Es sind die Gäste. Und meine hartarbeitende Kusine hat ein rauschendes Fest verdient. Und so tanze ich, erfinde justamente den "wir haken uns ein, wirbeln über die Tanzfläche und haken andere Menschen ein" Tanz und bin verwundert, dass alle mitmachen. Nun gut. Es wird gelacht - zumindestens wir acht, die tanzen haben Spass. die 10, die drumherumstehen und Maul Affen feil halten, haben keinen.
"Trinkt mehr!", höre ich mich rufen und laufe dann, wie als wäre es ein Befehl zum nächstgelegenen Zapfhahn.
Kaum bin ich weg, wird nicht mehr getanzt. Also wieder hin: Weitergetanzt. Egal, ob geschwitzt wird. Meine Kusine hat Spass. Und allein tanzen ist doof. Da braucht man kein zweites Adjektiv. Es ist schlichtweg doof.
Aber auch ich kann nicht ewig tanzen und die Leute verlustieren. Um halb elf bin ich gekommen und schon gegen halb drei sind alle Leute weg. Aber ... immerhin. Es war ein Fest und niemand kann sagen, dass ich nicht zu feiern verstehe.
Selbst zu Wolle Petri.
Wolle mit doppelt l, weil das O kurz ist. Doof mit zwei O, damit wir es ganz lang machen können, liebe Förderschülerinnen in den Preteens...
Heidewitzka. Und den Schrifterwerb diesen letzten Wortes, mag ich nicht auseinanderdividieren.
Heidewitzka.
Samstag
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