Dienstag

24 lange Stunden

Wenn sich auf einmal die Dinge überstürzen und man nicht mehr wirklich weiß, was zum Henker eigentlich passiert, dann lebt man wohl richtig...
Dinge geschehen und man kann sie nicht wirklich aufhalten, steht davor und kann nur noch mit dem Kopf schütteln.
Es fing wohl damit an, dass ich früher aus dem Aquarium fliehen wollte und meinem Ex-Chef sagte:
“Heute gehe ich früher. Ich muß heute früher gehen.”
und ich meinen Vermieter in Spe anrief und sagte:
“Ich komme gleich und unterschreibe dann den Mietvertrag.”
“Klar. Kein Problem.”
Ein wunderschöner sonniger Tag in Stanley Park. Die Blätter färben sich golden, der Oktober in seiner schönsten Schönheit.
Ein neuer Abschnitt in Kanada, denke ich.
Und rufe, weil Betsy zu mir meinte, dass sie mit mir reden muß, genau sie an.

“Oh. Hallo. Wir sind hier.”
“Wo hier?”
“Hier.Vor dem Aquarium.”
“Was?”
Jocelyns Geburtstag und als Betsy und ich kurz allein sind sagt sie:
“Ich habe ihr gesagt, daß es Dein Geschenk ist.”
Und ich bin dankbar dafür und müde und geschlagen und kann mich nicht wirklich konzentrieren, aber ich gebe ihnen beiden eine Tour.
Versuche mich zurückzuhalten, versuche nicht zu sehr im Mittelpunkt zu stehen und mache Fotos mit den beiden und lasse mich darauf ein... Und wir sehen uns das Aquarium an.
Todmüde, da die letzten Nächte nicht wirklich geschlafen wurde, schleppe ich mich durch die Gänge...
Todmüde fahre ich mit den beiden Geburtstagskuchen aussuchen und schlage die Einladung zu einer Theateraufführung ab.
Ich muss zu Matt – meinem neuen Vermieter -
Muss, weil ich es einfach nicht mehr mit Ivette und Jeremy aushalte, HEUTE den Mietvertrag unterschreiben.
Für mich ganz allein...Für meine geistige Gesundheit... Für mich...
Granville Island ist weit weit weg von allem.
Dort wo der Kuchen gekauft wurde, dort wo Kuchen verspeist wurde fährt ein einziger Bus.
Zunächst stehe ich eine halbe Stunde auf der einen Seite, dann bemerke ich daß es die falsche Seite war und stelle mich – da der bus gerade weggefahren ist – für eine halbe Stunde auf die andere Seite.
Fahre zur Skytrainstation, fahre zu weit und irgendwann gelingt es mir zu Matt und meiner neuen Heimat zu finden.
“Es tut mir leid.”
“Ist okay.”
Wir gehen über den Mietvertrag und ich lerne die deutsche kennen, deren Zimmer ich übernehmen werde.
Eine dünne Frau aus Stuttgardt... aber nett und lustig... Wenn das ein qualfizierendes Merkmal ist.
“Du sprichst so gut englisch.”
“Hmmm... Naja...”
“Ich war im April krank und ich gehe nach Deutschland zurück, weil ich das Gefühl habe, dass ich dort tatsächlich gesund werden kann.”
“Ohhh....”
Und wir plaudern über die Nachteile Kanadas aber das vorherrschende Gefühl ist schlichte Müdigkeit.
Nicht mehr und nicht weniger.
Pure Müdigkeit.
Am liebsten würde ich hier bleiben. Am liebsten würde ich nicht ins Triumph Haus zurückkehren und doch.
Es ist der Geburtstag von Jocelyn, die mich zwar nicht versteht und nicht wirklich mag. Die zwar sagt: “Du hättest mir jede Menge beibringen können...”, die aber auf alle Versuche meinerseits einen Kontakt herzustellen nicht geantwortet hat und die – so mein Gefühl – prinzipiell nicht mag, daß Betsy und ich uns mögen.
Aber ich muß.
Essen und Duschen und Schlafen...
klingt mir im Hirn.
Essen und Duschen und Schlafen...
Ein Sandwich im Magen und gegen neun im Triumph Haus.
Die Gäste sollen gegen zehn kommen... bis vor ein paar Stunden wußte ich nicht, daß ich eingeladen war... doch...
Ich sehe Gary und Corey in der Einfahrt und weiß, daß aus dem Duschen nichts wird... Wieder einmal zu höflich, um zu sagen:
“Ich hatte nen Scheißtag. Ich will was essen und duschen.”, plaudere ich mit den beiden.
Als sie gegen Halb zehn ins Obergeschoss gehen, um Kuchen zu essen, stopfe ich mir schnell eine Scheibe Brot in den Mund...
hunger gestillt,
Nur noch die Müdigkeit und das Gefühl schmutzig zu sein übrig.
Und ich steige nach oben.

Das Gefühl in meiner eigenen Kurzgeschichte zu sein, schleicht sich erst an mich heran, als ich nach der Party (wo viel über Politik und Zeitgeschehen und die Börse und was auch immer geredet wurde) wieder zurück in die Basementsuite gehe.
Ich steige die steilen Stufen vom Obergeschoß zurück in den tiefsten Morast der Basementsuite.
Und höre schon von draußen meine schwanger spanische Mitbewohnerin in den Telefonhörer brüllen:
“Nein! Nein! Nein!”
oder
“Halt die Klappe!”
oder (mein Lieblingssatz und nicht wirklich so leicht übersetzbar)
“Get over it. Get over it. Get over it.”
Ich schleiche an ihr vorbei, um einem griesgrämigen Blick zu entgehen. Schaue sie vorsichtshalber nicht an und hauche ihr entgegen:
“Gute Nacht.” und verschwinde in meinem Zimmer.
An einschlafen ist natürlich nicht zu denken, dal das Wohnzimmer nicht wirklich weit entfernt ist und die Stimme meiner Mitbewohnerin die Kraft hat durch diverse Holzwände zu dringen.
Nach diversen: “Get over it.No. I am right.” und stundenlangem Gebrülle in Richtung Englands (wo ihr Freund und der Vater ihres Kindes wohnt) kehr endlich die lang ersehnte Stille in die Basementsuite ein.
Nach acht Tagen ohne einen freien Tag. Nach zwei Wochen mit Thanksgiving und der Hölle im Aquarium kommt nun endlich der Schlaf über mich wie ein lang ersehnter Freund. Und JA ich muss an dieser Stelle dramatisch werden. Ich muss sagen:
“Bruder Tod. Komm über mich. Gib mir Stille und Kraft für den neunten Tag Arbeit.”
Und der Schlaf kommt...
Für etwa zwei Stunden, bis der Schlaf geht und stattdessen das Gegiggel der neuen Schnalle meines australischen Mitbewohners in mein Bewusstsein dringt.
“Oh. Nein.” ist mein erster Gedanke und mein zweiter und mein dritter.
Der vierte und fünfte Gedanke ist nicht jugendfrei und wird im amerikanischen Fernsehen weggepiept.
Doch statt laut zu werden resigniere ich innerlich...
Mit Gegiggel ist zu leben und umzugehen. Wenn man dabei auch den Schlaf vergessen kann, doch als meine Wand quasi mit in das “Comingeling” involviert wird und nicht nur Gestöhne, sondern auch lautes Böllern von dem Zimmer nebenan meinen Schlaf stören, stehe ich auf.
Der Schlaf ist weg und will nicht mehr wiederkommen.
Da kann ich genauso gut aufstehen, denke ich in meiner pragmatischen Art.
Die eine Zigarette die ich mir am Morgen erlaube rauchen, den Kaffee trinken und dann zur Arbeit stapfen.
Und ich erhebe mich.
Doch auf dem Weg zum Badezimmer bemerke ich, dass mich auch mein dritter Mitbewohner – der Kater Mr. T - in den Wahnsinn treiben will.
Direkt vor dem Kühlschrank liegt nämlich ein Geschenk, welches ich nicht wirklich zu achten weiss.
Eine kleine und durchaus tote (wie ich am Herausstrecken der Pfoten bemerken kann) Maus.
Zuerst bin ich geschockt, doch dann beruhige ich mich mit dem Gedanken, dass es weitaus schlimmer hätte kommen können. Es hätte eine Ratte sein können. Oder eine aufgeschlitzte Maus.
Eine intakte tote Maus vor dem Kühlschrank ist zwar ekelig, aber nicht so schlimm, wie...
Eigentlich möchte ich die Maus loswerden und versuche all den Mut, den ich in mir habe hervorzukratzen. Doch nicht einmal mit einem Besen oder was auch immer, bin ich bereit die Maus anzufassen.
Ich bringe es einfach nicht übers Herz.
Mein Magen grummelt, doch der Appetit ist mir vergangen und so tue ich das, was ich morgens immer tue. Ich mache mir einen Kaffee, bin dankbar dafür, dass die Kühlschranktür geradewegs an der Mausleiche vorbeischlittern kann und sie nicht berührt wenn ich die Milch aus dem Kühlschrank hole.
Arbeit, denke ich kurzerhand. Arbeit. Arbeit. Arbeit.
Nehme den 135er Bus Richtung Innenstadt und mache mich darauf gefasst, dass es wieder einmal ein schrecklicher Tag werden wird.
Und als ich dann dort stehe.
In dem windigen Eingang des Aquariums...
Und als ich den quietschenden Delphin für die Kinder quietschen lasse, damit sie meiner Kamera ein Lächeln schenken.
Und als ich Sätze sage, wie
“Wenn Du ganz dolle dem Delphin zulächelst, dann quietscht er. Es ist ein magischer Delphin.”
oder
“Würde es ihnen etwas ausmachen vor den Greenscreen zu treten.”
oder
“Ein schnelles Foto aus Spass_”
und als ich herüberblicke zu dem Pult wo meine persischen Mitarbeiter sitzen und den lieben langen Tag Kaffee trinken, kurz während der Arbeitszeit verschwinden und dann wieder auftauchen um weiterhin nichts zu tun.
Und als ich dann dort stehe und überlege und einfache Sätze denke, wie
“Es wäre gut nicht hier zu sein.”
“Es wäre gut hier nicht zu arbeiten.”
“Ich habe einen Magister. Warum tue ich das hier?”, weiss ich, dass der Tag der Kündigung gekommen ist.
Es setzt sich in mir fest und ich kann nichts dagegen tun.
Es setzt sich in mir fest. Der Gedanke will nicht mehr verschwinden.
Und auf einmal geht es mir besser.
Ich komme morgen nicht. Ich werde nicht auftauchen,
Mitlerweile habe ich den “canadian way” kennengelernt und ein wenig inkorporiert. Ich werde nicht mehr die verlässliche Deutsche sein die immer pünktlich, charmant und gut gelaunt ist. Nicht mehr die Deutsche auf die man sich 100 prozentig verlassen kann.
Als ich zurück an den Pult komme wo die Fotos verkauft werden und meine dämliche persische Mitarbeiterin (“Du hast englisch mit dem Fernsehen gelernt? Mit Fernsehserien? Kannst du mir die Namen der Serien aufschreiben, damit ich auch gutes englisch lernen kann?”) früher geht und der Manager nicht mehr da ist, obwohl er mir zugesichert hat, dass ich nur bis vier zu arbeiten brauche wird der innerliche Beschluß noch ein wenig fester und ich frage die Security:
“Kann ich nachdem das Aquarium geschlossen ist noch herumgehen und Fotos machen?”
“Klar!”
“Kann ich auch die Belugas unterwasser sehen?”
“Klar. Du mußt nur den Fahrstuhl nehmen. Alles andere ist abgesperrt.”
Die letzte Arbeitsstunde plätschert ereignislos vor sich hin und als sich die Türen für die Allgemeinheit schließen mache ich mich auf (mit der Kamera von meinem Boss) und mache die Fotos,
Ich klettere über Sicherheitsbegrenzungen hinweg und bin mit dem Seeotter auf Du und Du. Ich steige hinunter zu den Walen, schnacke kurz mit dem Küchenchef, der ein großes Essen vor den Belugas auszurichten hat und Tische beaufsichtigt und halte mich lange in der
Tropic Zone auf....
Und mache Fotos über Fotos.
Als ich dann unten bei den Fröschen bin, fällt mir die Unterwassergallerie von den Delphinen ein. Die haben Jocelyn, Betsy und ich gestern vergessen. Daran habe ich nicht mehr gedacht und ich gehe mit gemessenen und doch ein wenig aufgeregten Schritten dorthin.
Nach ein paar Minuten Knipserei schalte ich die Kamera aus und sehe den Delphinen beim Schwimmen zu.
Das letzte Mal als ich bei ihnen war wollte ich, dass sie kommen. Wollte dass sie mir ihre
Aufmerksamkeit schenken.
Dieses Mal erwarte ich nichts und halte doch meine Hand gegen die Scheibe.
Als zwei der Delphine langsam vorbeischwimmen und mich aus dem Augenwinkel wahrnehmen verbeuge ich mich tief.
Einer der Putzmänner des Aquariums kommt vorbei und ich frage:
“Muss man sich vor einem Delphin verbeugen?”
“Keine Ahnung.”, antwortet er.
Doch tief in meinem Inneren weiß ich: Ja. Das muss man.
Will man mit einem Delphin sprechen, muss man sich verbeugen.
Sie kommen näher heran und einer der Delphine bleibt direkt bei mir. Er steht mir direkt gegenüber.
Und wieder verbeuge ich mich.
Halte meine Augen verborgen.
Halte meine Hand aufrecht und den Kopf tief gesenkt.
Als ich aufschaue, frage ich:
“Darf ich ein Foto von dir machen?”, schalte die Kamera ein und mache ein Foto und dann noch eines, als er sich langsam abwendet und verschwindet.
Und dann geschieht es.
Ein kleiner magischer Moment, als er zurückkommt und diese hohen Töne ausstösst, die mir durch Mark und Bein gehen und die ein unglaublliches Wohlgefühl spenden.
An meinem letzten Arbeitstag im Aquarium hat ein Delphin mit mir geredet und ich weiß ( und da kommt meine ganze in mir verborgene Dramatik einmal mehr zum Ausdruck und trotzdem muß ich es sagen...)
Es war ein
“Lebewohl”


Inauguration im Callcenter

“Auf vielfachen Wunsch werden wir heute unsere Pause auf die Zeit legen, in der Obama seine Rede hält.”, sagt Pat oder Matt oder Rick oder Dick ... jedenfalls der Typ im Callcenter, der das Mikro in der Hand hält und seine Kollegen anfeuert, damit sie mehr Rentner über den Tisch ziehen.
Ich freue mich... Kann es tatsächlich sehen.
Ein historischer Moment, wie ich denke.
Doch als es 9 Uhr ist, meldet sich mein Magen und ich wäge ab.
Will ich die Rede hören oder will ich mir einen Muffin beim “Save on foods” kaufenn.
Ich entscheide mich für letzteres, rauche eine Zigarette und sehe im Essensraum Aretha Franklin singen und den Vizekanzler vereidigt werden,
Die andere Marianne, eine um die sechzigjährige Exkölnerin, sagt:
“Da kann isch aber besser singen.” und
Paula – die Köchin des Saftladens – wischt sich die Tränen aus ihren Augenwinkeln.

Ich persönlich fühle mich an den Papst erinnert. Also an den toten Papst, als mit viel Pomp seine Beerdigung bestaunt wurde und mit bangem Blick auf grauen Rauch aus dem Vatikan gewartet wurde.
“Die Amis wissen wie es geht.”, saage ich laut und bemerke nach einem raschen Blick auf die Uhr, dass ich mich wieder auf meinen Arbeitsplatz begeben muß.
Kaum sitze ich, gehen die Arbeitslichter an, was das Zeichen der kollektiven Pause ist.

Die Salespeople haben Pause.
Die Order Verifier müssen sitzen bleiben.
Keine kollektive Pause für uns.

Ich entsinne mich jedoch darauf, dass mein Mp3 Player über ein Radio verfügt, justiere es flugs und stöpsel mir die Obama Rede in die Ohren.
Ab und an sage ich: “Er ist gut!” und ab und an lächele ich vor mich hin.
Daniella. Die Mexikanerin die neben mir sitzt und die mich nicht mag (warum auch immer – nach einigen Wochen habe ich beschlossen diesen Umstand und somit sie weitestgehend zu ignorieren, was mir je nachdem wie dick mein Fell am jeweiligen Tag ist auch teilsweise gellingt) flüstert mir zu:
“Lass dich nicht erwischen. Wenn die das sehen kriegst du Ärger.”
“Oh. “, sage ich nur leise.
“Und ich weiß wovon ich rede.”, sagt Daniella und lächelt mir zu.
Vielleicht mag sie mich ein bissschen, denke ich und verkneife mir diverse Antworten auf ihre Warnung.
Von
“Aber jetzt ist ein historischer Moment.” bis zu “Es sind hier sowieso keine Bestellungen vorhanden, die bestätigt werden müssen.” oder “Ich muss die Rede hören.”
Alle diese Sätze werden nicht gesagt, sondern schlichtweg weiter zugehört.

Es ist nicht von “Change” die Rede.
Es ist vielmehr von dem “Besinnen auf die amerikanischen Tugenden” die Rede.
Es ist eine Eichung auf eine schwere Zeit, eine Einschwörung Amerikas auf die Rezession, eine Verbrüderung gegen den quasi Krieg ...
Den Krieg jedes und jeder Einzelnen gegen Hypotheken, Schuldenberge und so weiter.
Eine ernste Rede...
Und ich sage:
“Wetten dass das letzte Wort “Change” ist?”
und verfolge gespannt seine Rede.

Meine direkte Vorgesetzte kommt aus ihrem kleinen Büro und fragt:
“Wo sind sie alle?”
“Obamas Rede” die Antwort und sie verschwindet schnell wieder.

Die neunzehnjährige Vanida kommt mit Mr. Noodles, was sie mit kochendem Wasser aufgeschüttet hat, an ihren Arbeitsplatz zurück und es entspannt sich (während ich noch immer der Rede lausche) ein angeregtes Gespräch mit Daniella darüber, ob Mr. Noodles das hält was es verspricht, oder ob andere Marken nicht schlichtweg besser seien.

Fassungslos möchte ich sie schütteln und sagen:
“Ihr verpasst den Moment.”
“Ihr verpasst Geschichte.”
Aber ich sage es nicht – bin ja nur eine arrogante Deutsche – halte die Klappe und höre weiter gebannt zu.
Gegen Ende wird es langweiliger...
Man merkt, dass Obama seine J.F.K. Rede gelesen und zum Vorbild genommen hat.
Amerika soll ..dienen
Und mir fehlt eigentlich nur, dass er noch sagt:
“It is not what the country can do for you. It is what you can do for your country.”
Sagen tut er es nicht, aber er meint es...

Und die Rede ist vorbei, ich stöpsele mein Radio aus den Ohren, sehe auf meinen Bildschirm und fühle mich seltsam leer...
Und ich habe die Wette verloren...
von “Change” war kein einziges Mal die Rede.

Deutsche Touristen im Aquarium

"Would you mind stepping over here - in front of the green screen - and we'll make a quick foto of you?"

Das ist wohl der Satz, den ich am häufigsten sage, wenn ich mitten in der Warteschlange der Aquariumsbesucher stehe und die Aufforderung - oder die Bitte - je nachdem wie man die Tonlage ansetzt - an die zukünftigen Besucher des Aquariums richte.

Ein wenig langweilig, ein wenig anstrengend, ein wenig unterfordernd und wie bei meinem ersten Job muss ich mir immer wieder sagen:
"Du bist nicht dämlich Marianne. Du bist nicht mehr 15 Marianne. Du hast einen Hochschulabschluss Marianne. Alles wird gut!"

Besonders amüsant ist es, wenn man auf Deutsche, Schweizer oder - wie gestern - auf Österreicher trifft.

Man erkennt sie an ihrem starken Akzent und an ihrem touristischen Aussehen und sie erkennen mich an meiner deutschen Flagge auf meinem Namensschild.
Für sie ist es leichter...
Ja - ich habe eine deutsche Flagge auf meinem Namensschild
(Wo mich die Dame an der Rezeption fragte: "Ist es schwarz, rot, gelb oder gelb, rot und schwarz?" Es ist ihr hoch anzurechnen, dass ihr die Frage peinlich war) und ausserdem die
Berufsbezeichnung "Photographer".

Manche Touristen sind irritiert, wenn ich höflich frage:
"Kann ich ihnen auf Deutsch helfen?", antworten auf Englisch
"No thank you." oder "Sie sprechen aber gut deutsch."
und verschwinden kopfschüttelnd aus meinem Blickfeld.

Manche Touristen (ich stufe sie als die intellektuelle und versnobte Oberschicht ein) schauen mich verächtlich an, sagen - nicht zu mir, sondern in die entgegengesetzte Richtung:
"Es wimmelt hier nur so von Deutschen"
und treten den Rückzug an.

Und manchen Touristen wird ganz warm ums Herz.

Wie den rotgesichtigen Schweizern, die mich ausfragten woher ich käme, was ich hier machte und die mir versicherten, dass sie, wenn sie über Hamburg flögen einmal kurz winken würden.

Wie den Österreichern, die mich ausfragten und es schlichtweg spektakulär fanden, dass ich hier in Vancouver sei - ganz allein und überhaupt und die so beeindruckt waren, dass sie mir zur Verabschiedung unbedingt die Hand schütteln mussten.
"Es war nett sie kennenzulernen! Und alles gute!"

Oder wie der deutschen Frau mit zwei Kindern:
"Dankeschön für die Beratung. Und woher kommen Sie aus Deutschland?"
"Ich komme aus Lübeck. Nahe Hamburg."
"Wir kommen auch aus Hamburg."
"Einen ganz lieben Gruss nach Hamburg."

Und als sie verschwanden - das muss ich gestehen - hatte ich tatsächlich Tränchen in den Augenwinkeln.
Aber - ich bin ganz sicher -
Hamburg wird zugewunken und gegrüsst.
Auch wenn es nicht ganz Lübeck ist - Immerhin.

Ist das nicht Brian von Take That?



Das gesamt Aquarium brummt und pulsiert in einer vollkommen anderen Frequenz. Arbeitnehmer hübsch in rot gekleidet und mit dem blauen "Crew" und dem Vancouver Aquarium Emblem auf dem Rücken stecken ihre Köpfchen zusammen und wispern:

"Ich habe ihn zuletzt in Treasures of BC Coast gesehen"
"Er ist nett."
"Naja. Er war vor zehn Jahren berühmt."
"Er hat heute ein Konzert am BC Place."

Und ich stecke meinen Kopf mitten hinein, höre mir die Meinungen an und bin, wenn auch nicht aufgeregt, so doch zumindestens angeregt, dass endlich einmal wieder etwas passiert.
Ich konnte ihn zunächst nicht einordnen.

Als er mit seiner Frau und seinem Sohn in das Aquarium hineinspazierte sah er aus wie Jedermann. Seltsam war nur dieser zwei Meter grosse bullige schwarze Mann, der angemessen langsam und cool (und natürlich mit Sonnenbrille) hinter der blond-weissen Traumfamilie hinterherspazierte.
Rein aus Reflex fragte ich:

"Soll ich ein Foto machen?"
"Ja gerne."

Und sie positionieren sich vor mir. Der kleine Junge wirft sich an des Vaters Hals und strahlt über das ganze Gesicht. Die Frau verbirgt ihr Handy hinter sich (Excuse me - we have to take a photo- hold on) und ich lasse es zweimal blitzen.
Der Bodyguard, den ich natürlich auch frage, möchte kein Souvenirfoto.
Und ...
Wer kann es ihm verübeln.

Und ich überlege woher ich diesen "Normalo" denn kenne?
Hatte es was mit Annett und Annika in dem 13ten Jahrgang zu tun oder etwas mit Marika?
War das einer aus einer Boyband?
War das einer von Take That? Nein.
Von ...
Und sobald mir die Band einfällt, fällt mir auch sein Name ein.

"Brian von den Backstreet Boys. Ich dachte, er wäre kleiner.", sage ich leise vor mich hin und gehe zu dem Pult, wo wir die Photos verkaufen und erzähle es den Leuten.
Und es spricht sich wie ein Lauffeuer herum und ist Gespräch Nummer eins.

Die Waschbärfamilie, die sich hinter dem Aquarium eingenistet hat ist nicht länger von Interesse und auch dass kürzlich eine Ratte in der Küche gefunden wurde, hat seinen Ekelfaktor verloren.
Nunmehr ist es Brian. (und ich weiss - er ist morgen vergessen)

Und am Ende kommt es noch "dicker".
Da kommen Brian, seine Frau, das Kind, der Bodyguard und die Upperclass meines Jobs auf mich zu und wollen ein Foto machen. Alle gemeinsam.

"Nee - nee.", winke ich ab. "Ich wil nicht auf das Photo."
"Nee - nee.", sage ich. "Ich mache das Photo. Bitte lächeln.", sage ich zu Brian und frage ihn, ob das Photo was ich von den dreien gemacht habe gut gewesen sei.
"Ja. Es war gut. ", sagt er und lächelt.
Das Kind ist müde und will nicht mehr lächeln und so lasse ich den Gummidelfin quietschen und ein kleines Lächeln kommt auf seine Lippen.
Er will - wie alle kleinen Kinder - den Delfin anfassen und haben und die Upper Class will den Delfin abmachen und sagt zu Brian:
"Wenn er den Delfin haben will, bekommt er den Delfin."
"Nein. Nein. Er bekommt sowieso schon alles was er will."
"Nein. Nein.", sage ich und lächele Brian an.
Nett - denke ich. Ein netter Mensch.

Und ich weiss - er hat ein Souvenirphoto, was ich gemacht habe.
Zum Konzert von "Backstreet Boys Reunited" auf dem BC Place.
Das ist doch genug...
und denke mich in Yoga ... Unterwasser ... einmal mehr


Ecken des Schreckens

Es ist schon einigermaßen frustrierend, wie wenige jedoch zumindestes bunte Kisten, man mit den geliebten Büchern füllen kann.

Gar nicht mal soviele, wie ich gedacht hätte...Gar nicht mal so schwer, wie ich gedacht hätte.


Wo sich für kurze Zeit Kartoffeln, Paprika, Bananen, Orangen und Kartoffeln aufhielten, sind nun mit Buchrücken brav nach oben gestellt die kleinen und großen Werke.

Mit großem Dank für die Plusfiliale "ums Eck"



Und ich glaube das Obst war alles "organic", das hätte doch besonders den amerikanischen Autoren gefallen - ich glaube sogar holländische Melonen verdienen diese Bezeichnung - nach allem, was ich gehört habe.

Nun denn - wohlan zum fröhlichen Fensterputzen und Küchenutensilien einpacken...

Bank, Bier und Weihnachtsmaenner

Mit dem festen Vorhaben in eine Bank zu stapfen und dort ein Konto zu eröffnen, fuhr ich heute downtown.


Und es heißt tatsächlich "downtown" - Da muss man nichts dazu erfinden. Es hört sich einfach hübsch an. Genauso hübsch, wie sich einst vor tausend Jahren der Straßenname 49ste Strasse Ecke Main Street super angehört hat, so hört es sich jetzt grandios an, wenn man sagt:

"Ich fuhr downtown".


Mittlerweile habe ich die zwei Dollar fünfzig für den Bus parat, nehme die Linie 3, steige an der Haltestelle Science World um in die Skytrain und fahre auf der Route "Expo" zum Waterfront Centre.


Und da sehe ich sie schon: Die Bank of Montreal und stelle mich brav an die Information, wo mir gesagt wird, dass sich gleich jemand um mich kümmern wird.

Kurz höre ich noch zu, wie die Dame an der Information in ihren Hörer ruft: "Ist Yang da? Ich brauche jemanden der chinesisch spricht. Oder Mandarin.", dann setze ich mich hin und lese in der Zeitung, dass Deutschland jetzt gegen Österreich spielen muss. Und das die Polen ...


Dann kommt Bev auf mich zu.


Eine vielleicht 25jährige, blonde und dünne Kanadierin, die mich in die Kellergewölbe der Zentrale der Bank of Montreal geleitet und dort zu ihrem Büro bringt.

In einer unglaublichen Sprechgeschwindigkeit erklärt sie mir, was für ein Bankkonto ich benötige und wie sich das alles darstellt. Immer wieder muß ich mir Zeit ausbitten, um zu lesen, was dort steht, um noch einmal nachzufragen und um bestätigend zu nicken, wenn sie mir erzählt, dass ihr Vater aus Deutschland kommt und sie mit einem Chinesen verheiratet ist.


"It is hard to learn chinese.", sage ich zaudernd, woraufhin sie vehement mit dem Kopf nickt.

"Yeah. I want to say: Hello. and I said: You're fat! My husband told me."

Ich gucke mich in ihrem Büro um, was nichts weiter ist, als ein kleiner abgeteilter Bereich in dem riesengroßen Untergeschoss und sehe ein Foto von ihr mit ihrem Mann an der einen Seite kleben.


Wenn sie nicht nickt und nichts erzählt,

sagt sie "Exactly" und strahlt mich an.

Oder sie sagt: "No Problem" und strahlt mich an

oder sie sagt: "Fine. Lets do it." und strahlt mich an.

Auf jeden Fall das strahlend amerikanische Strahlen, was ich bislang noch niemals live erlebt und doch allzuoft im Fernsehen gesehen habe. Da habe ich es. Das gute amerikanische Klischee sitzt justamente vor mir.


BEV...


Schließlich und Endlich will mir Bev noch eine Kreditkarte aufschwatzen, als ich es nicht zulasse, sagt sie:

"Fine. No Problem. Bye.", strahlt unglaublich wie eine Frau aus der Zahnreklame

und entlässt mich mit meiner neuen Bankkarte in die Freiheit.


Dass ich mir von Bev dann doch eine Kreditkarte hätte aufschwatzen lassen sollen, wird mir klar, als ich mir ein Handy kaufen möchte, wo mir Jonathan (den Namen weiss ich noch, weil er mir seine Karte gegeben hat - für Rückfragen) erklärt, dass ich ohne Kreditkarte kein Handy bekomme.

Aber es gäbe da eine Möglichkeit (ich übersetze sinngemäß)


"Du könntest in einen MoneyMart gehen. Das ist ein Ort, wo Du Deine Checks einlösen kannst und Billigkredite kriegst und Dir dort eine vorläufige Kreditkarte beschaffen. Sie muss auch nur zehn Dollar wert sein. Nicht mehr. Mit dieser "Kreditkarte" kommst du dann zu uns und wir haben die Kreditkartennummer, die wir benötigen, damit Du ein Handy bekommst."

und als ich dann sage

"Das ist eine Farce" (und auch im Englischen heisst Farce eben Farce)

bekomme ich ein grosses Lächeln und die Aussage:

"Genau. Das ist es. Da hast du es genau begriffen."


DANN gibt er mir seine Karte und ich überdenke mir den ganzen Mist nochmal.


Seltsame Ausschnitte des Lebens ...

Direkt am Waterfront Centre...


Und dann hat mich doch die Ignoranz des letzten Tages aufgespiesst, da ich mich selbst bislang nicht als eine Deutsche begriff, die nur Deutsche Biere trinkt und nichts anderes. Und so gehe ich zum Liquour Store 29ste Strasse Ecke Main Street und trete auf den Weihnachtsmann zu.

Er sieht genauso aus, wie der Weihnachtsmann.

Zwei Köpfe grösser als ich, mit einem langen weissen Bart, einer Brille und einem dicken dicken Bauch.

"Ich komme aus Deutschland und ich wollte kanadisches Bier probieren, was so ähnlich schmeckt wie Becks."

"Nichts schmeckt so gut wie Becks.", sagt er mir zu und geleitet mich zu den Bieren.

Es gibt das normale Bier und dann das "Crafts Beer", was mit viel mehr Prozenten Alkohol daherkommt, erklärt er mir und überlegt mit mir gemeinsam welches kanadische Bier mir wohl schmecken würde. Vielleicht das Honigbier?


Nach einer halben Stunde Verkaufsgespräch bezahle ich dann für irgendein kanadisches Bier was in British Columbia gebraut wurde einen ungeheuren Preis (wobei mir meine Mitbewohnerin sagte: Wieso? Dieselben Preise haben wir auch in Schweden.) und verlasse den Laden.


"Give me some money. I am scottish.", ruft mir ein heruntergekommener Mann hinterher, der sich vor dem Liqour Store aufgebaut hat, wo er wohl des öfteren etwas bekommt.

Die Schotten, denke ich und verfluche das Klischee.

Mathe im Waschsalon

"Überleg doch mal."

"Ich weiss nicht."

"Was könnte ich Dir anstatt von einem 10 cent Stück noch geben?"

"Hmmm..."

"Überleg doch mal."

"Hmmm..."

"Richtig! Zehn einzelne Centstücke."

"Stimmt!"


Ich traue meinen Ohren nicht wirklich, doch tatsächlich ist es so, dass da ein Mensch mit brandenburgischem Akzent einer jungen "Dame" Mathe beibringt. Oder beizubringen versucht. Sein menschenmöglichstes versucht, um ihr Mathe beizubringen.

Ein paar Sekunden wachsen die Ohren und weicht das Herz - insoweit bei der Thematik Ohren wachsen und Herzen weichen können, nämlich als ich höre:


"Ausserdem vielleicht zwei fünfcentstücke ... Oder fünf zweicentstücke. Aber das ist vielleicht zu kompliziert. Warte mal einen Moment!"

Der Mann rennt zu seinem Auto mit dem Kennzeichen HVL (was vielleicht Havel bedeutet) und kommt mit einem Zettel und Stift zurück:


"So... Ich schreib Dir jetzt mal ne Aufgabe auf. Die rechnest du mal..."

"Hmmm."

"Nee - mach mal."

"Okay."


Unvermittelt fängt der Mann, den ich aufgrund seiner drei Ohrringe im Ohr und seines dunkelgrünen Armeeparkers als linke Zecke einstufe, zu brüllen:

"Schneller, Fräulein. Schneller! Mein Zug kommt! Schneller."

Verwundert stehe ich auf, um meine Wäsche aus der Waschmaschine und hinein in den Wäschetrockner zu werfen.

Er lächelt mich an und sagt dann leise zu dem Mädchen:

"Weisst du ... du musst auch unter Druck arbeiten können!"

Alicia Keys war bei mir ums Eck

“I was living down the line

I'm wondering where in the

world Alicia Keys could be”



Nun – gestern war sie in Frankfurt und dachte ich bislang, dass Bob Dylan mit seiner Anspielung und seinem Bezug auf Alicia Keys grundsätzlich etwas positives gemeint hat, bin ich nun – ganz persönlich - zu einer prinzipiell anderen Auffassung gekommen.

Der Mann kann das doch nur ironisch gemeint haben?!

...

Schon das alleinige Warten auf die Topkünstlerin war eine Tortur.

Zunächst ein DJ, der nervtötende Lieder remixte und dann – was fast noch schlimmer war – ein Jamal (ich nenn ihn jetzt mal mit Nachnamen Doe, da mir entfallen ist wie sein eigentlicher Name ist – jedoch hat er gewiss einen.)

Jamal Doe sang erquickende Lieder mit Zeilen wie:

„Girls have skin.

That is so smooth.

Girls have hair.

That is …”

S.T.I.N.K.L.A.N.G.W.E.I.L.I.G.



Nachdem die vier Technikmänner in die höchsten Höhen der Frankfurter Festhalle gezogen wurden, um dort immer hübsch akkurat die Lichtspots auf die Künstler zu werfen, ging es los. Mit nem Film.

Zunächst war ich unterhalten. Dann gelangweilt. Dann – letztlich – genervt.

...

Handlungsort: Alicia Keys „Heimatkirche“

Handlungspersonen: Pastor, Pastor, Pastor und eine stumme Alicia, die demütig mit dem Kopf nickte.

Handlungsziel: „Alicia! Go into the World and reach for the star!“



Der Pastor hielt eine langweilige Predigt, die man nur deswegen ansehen könnte, weil der Pastor Alicia Keys so sehr ins Gewissen redete und man die Übersetzungsarbeit vom Englischen ins innerliche Deutsche vollziehen musste.

Ja – ich würde es als Predigt bezeichnen, die das Thema Alicia Keys hatte.

Er redete auf sie ein, die da ganz harmlos und gelangweilt vor ihm stand und von ihm ausgesandt wurde, um die Welt zu beglücken.

...

Nach gefühlten fünf Stunden ging dann die Schiebetür in der Mitte auf und Alicia Keys war – wie durch ein Wunder, denn gerade eben war sie ja noch in ihrer Heimatkirche – in der Frankfurter Festhalle. Gejohle. Gekreische. Und ich überlegte, ob sie die Festhalle just in diesem Moment zu ihrer Kirche machte und rollte mit den Augen. Innerlich und Äusserlich.

Und sie sang, bzw. schrie irgendein Lied, was ich nicht kannte, was ich nie wieder hören will und was so unmelodiös war wie es prätentiös war in ihr Mikrofon.

Und sie tanzte ... Sie tanzte mit den Tänzern und bewegte sich zur Musik. Das ganze Konzert über hatte ich immer wieder die tiefe innere Frage in mir:

„An was erinnert mich ihr Tanzstil?“

Immer wieder schaute ich da herunter, denn ich sass im ersten Rang, beobachtete ihre Hüftbewegungen und ihr Springen und Hüpfen über die Bühne und immer wieder fragte ich mich: „An was... An was nur... erinnert mich ihre Tanzerei?“

Ich glaube am allermeisten erinnerte mich die ganze physische Aufregung an eine kleine Kuh... Nein- Nein – an ein Kalb. Das klingt besser.

Ein junges Kalb, was eine Ahnung hat wie das Laufen funktioniert, aber es noch nicht wirklich gut beherrscht. Ein liebenswertes Kalb. Ein nettes Kalb. Ein gutes Kalb. Aber eben ... ein Kalb.

...

Die magische Schiebetür in der Mitte war dazu da das „Piano“ von Alicia hin- und wieder wegzubringen (oder auch Alicia nachdem sie sich umgezogen hatte- oder auch Nebel herauszuspucken) und ich habe ihr keinen Moment so geglaubt wie den als sie sagte:

„I only want to play my Piano“

Und ich finde: Genau das sollte sie tun.

Warum hüpft und springt sie, wenn sie die Kraft des Publikums in jenen Momenten auf sich ziehen kann, wo sie an einem statischen Ort sitzt und nur in ihr Mikrofon singt?

Vermutlich zwingt ihr Manager sie dazu? Die Plattenfirma?

Oder ... was weiss ich.

...

Zwei Stunden viel und laute Gesingerei, Tanzerei und Hopserei. Und immer wieder ihre Sätze, die sie fast wie Mantras wiederholte:

„I want to do something meaningfull in Life.“

“I want to be somebody.”

Und immer wieder tausend Fotos von Alicia, wie sie früher aussah…

Vielleicht bin ich da ja zu pragmatisch, aber: Steht sie da oben nicht auf der Bühne? Und vor allen Dingen... ist das Konzert nicht ausverkauft?

...

Der ganze Abend sollte wohl den Werdegang von Alicia Keys darstellen.

Die Anfänge... bis zu dem Jetzt.

„The Journey“

Und ... es gab einen roten Faden... Den Pastor, der dann letztlich nocheinmal auftauchte und dem Publikum sagte:

„You are a star. You can change...“

Obama lässt grüssen...Und die Frage, ob man eine solcherart amerikanische Show eins zu eins in Europa machen kann?

Vielleicht bin auch einfach zu dämlich, um das Konzept des Abends verstehen zu können und zu wollen.
Vielleicht liegt es schlichtweg daran, dass ich Europäerin und keine Amerikanerin bin.

Es war einfach ...

Zuviel

Zeugs...(und zu laut.)