Ich sitze in der Bahn und träume leise vor mich hin. Wir sind bereits über den Pirnaischen Platz hinaus und bald kann ich aussteigen und zu meinen zu unterrichtenden Kindern stiefeln.
Die Bahntür geht auf und auf einmal ist eine schrille Stimme zu hören: „Seppel? Seppel! Seeepppeel.“
Eine alte Frau, von relativ undefinierbarem Alter, jedoch mindestens 85, ist eingestiegen. Sie ist dürr, bewegt sich vornübergebeugt und hat eingefallene Wangen. Ihre weißgrauen Haare sind zu einem losen Dutt zusammengefasst.
Und sie setzt sich direkt neben eine Frau, deren Hund sich angesprochen fühlen muss. Seppel heißt er gewiss nicht, denn so heißen Pudel nicht. Aber die Frau scheint ihn jetzt so zu nennen.
Ab und an stößt sie ein lautes Pusten aus. Und immer wieder ruft sie „Seppel.“
Ob sie die Hundebesitzerin ansieht, kann ich nicht erkennen. Jedoch, dass die Hundebesitzerin mit aller Kraft versucht, sich nicht angesprochen zu fühlen.
Ein lautes Kichern, ein lautes „Seppel“ und leider muss ich aussteigen.
Donnerstag
Steffen
Es ist eine Party von jemandem den jemand kennt, der jemand kennt, den ich kenne –Und die Party ist nicht allzu weit weg von dort, wo ich bin. Da geht man doch gerne hin. Nun ja. Als ich hineinkomme und jemanden kenne, den ich nicht kennen will, kehre ich der Party den Rücken und rauche noch eine auf der Straße. Warum auch nicht. Ein bisschen Kräfte sammeln und eruieren, ob man tatsächlich auf der richtigen Party ist.
An einer Straßenecke überlege ich: Wenn ich jetzt geradeaus und dann links und dann wieder rechts ginge, dann wäre ich in 10 Minuten daheim.
Da kommt ein Fahrradfahrer auf mich zu und bleibt vor mir stehen.
Ein Mann – um die 40 – mit halblangem, ein wenig fettigem Haar. Dazu hat ein Kassenbrillengestell in peppigem Silber auf der Nase. Ganz in dunkel gekleidet und mit einem schüchternen Lächeln im Gesicht.
„Weißt du hier irgendwo einen Club, wo ich reinkomme?“
„Einen Club?“, frage ich. „Nun ja. Hier ist eine Party, die offen ist. Da kannst du bestimmt auch rein.“
Aber das ist nicht, worauf er hinaus will.
„Nein. Ich meine, einen Club, wo ich mit meinen Schuhen hineinkomme.“
Er nimmt seine Fahrradlampe in die rechte Hand, schaltet sie ein und leuchtet auf seine Füße. Und siehe da er hat nicht nur schwarze Lacksandalen an, sondern auch rotlackierte Nägel, die noch dazu mit Ringen verziert sind.
„Oh.“, sage ich und überlege. „Hmm. Da weiß ich auch nicht.“
Mein Blick gleitet über seine Gestalt und ich bemerke erst jetzt, dass er einen wohl ausgestopften Oberkörper hat. Aber weiblich, abgesehen von Brüsten und Nägeln, wirkt er so ganz und gar nicht. Einordnen kann ich nicht. Mit meiner kanadischen Erfahrung von Crossdressern frage ich ihn genau das: „Bist du Crossdresser?“
„Äh... Was?“
„Naja. Crossdresser.“ Aber ich hake es innerlich als ein „Nein.“ ab. Wenn er in der Szene wäre, würde er den Begriff wohl kennen. Es ist wohl vielmehr eine verlorene Seele, für die Dresden zu klein ist.
„Ich bin – nun – ich bin … Ach – ich zeige Dir, was ich bin.“
Nun krempelt er, zu meiner Verwunderung, sein linkes Hosenbein hoch und reicht mir die ausgeschaltete Fahrradlampe. „Leuchte hin. Dann weißt du, was ich bin.“
„Da weiß ich nicht, ob ich das wissen will.“, sage ich unschlüssig und frage mich, ob das jetzt unter sexuelle Belästigung fällt.
„Wenn du nicht willst, musst du auch nicht.“, antwortet er. Doch die Neugier siegt und ich leuchte auf sein Bein. Die Worte, die mich schockieren sollen, verfehlen ihre Wirkung:
„Ich bin ein Arschlochficker.“
Nun ja. Na denn.
„Hast du das raufgeschrieben? Oder hineintätowiert?“, frage ich mit großen Augen.
„Ich will es noch tätowieren. Aber jetzt habe ich es raufgeschrieben.“
Da setzt sich jemand hin, bevor er das Haus verlässt und schreibt auf seinen Körper, wer er ist. Eigentlich tragisch.
„Also. Da weiß ich wirklich nicht, welchen Club ich Dir empfehlen soll. Da kenne ich mich nicht aus. Ich stehe nicht darauf.“
Und plötzlich habe ich Flashback, wie ich nachts durch Lübeck laufe und mir dort eine genauso verwirrte Seele begegnete. Der sollte ich in die Weichteile treten, die er so hasste, damit er für einen Tag – oder ein paar Minuten – dort nichts mehr spürt.
Der Mann tut mir leid – der dort steht – mit mir. An einer Straßenecke in Dresden.
„Hm. Da hinten ist eine Agentur. Tannenstraße. Da kannst du vielleicht Glück haben und die Prostituierten könnten dir helfen. Das heißt – wenn du Sex willst.“
„Ja. Am liebsten hätte ich eine Aubergine in mir drinn. Weißt du? Dieses lilane Ding. Ich hatte einmal eine Beziehung und für die habe ich mir das Arschloch aufschneiden lassen. Ich kann nur hinten kommen und nicht vorne. Am besten, wenn man mir den Hintern peitscht.“
„Ach.“
Ich zittere nicht, ich lächele ihn an. Und bin seltsamerweise gar nicht so schockiert, wie ich sein sollte. Es gibt alles auf der Welt. Das also auch.
„Willst du mal sehen?“
„Nein. Das ist mir dann doch zu krass.“
„Und wenn ich dir Geld geben würde.“
„Nein. Ich kann niemandem weh tun.“
Und da ist die Entscheidung gefallen und es wird sich verabschiedet.
„Marianne, heiße ich. Und du?“
„Steffen.“
„Na – dann mache es gut.“
Ich ziehe meine Schultern hoch und gehe zurück auf die Party von jemandem, den jemand kennt, den ich kenne und gehe nicht nach Hause. Da kann mir der, den ich nicht kennen will, gestohlen bleiben.
An einer Straßenecke überlege ich: Wenn ich jetzt geradeaus und dann links und dann wieder rechts ginge, dann wäre ich in 10 Minuten daheim.
Da kommt ein Fahrradfahrer auf mich zu und bleibt vor mir stehen.
Ein Mann – um die 40 – mit halblangem, ein wenig fettigem Haar. Dazu hat ein Kassenbrillengestell in peppigem Silber auf der Nase. Ganz in dunkel gekleidet und mit einem schüchternen Lächeln im Gesicht.
„Weißt du hier irgendwo einen Club, wo ich reinkomme?“
„Einen Club?“, frage ich. „Nun ja. Hier ist eine Party, die offen ist. Da kannst du bestimmt auch rein.“
Aber das ist nicht, worauf er hinaus will.
„Nein. Ich meine, einen Club, wo ich mit meinen Schuhen hineinkomme.“
Er nimmt seine Fahrradlampe in die rechte Hand, schaltet sie ein und leuchtet auf seine Füße. Und siehe da er hat nicht nur schwarze Lacksandalen an, sondern auch rotlackierte Nägel, die noch dazu mit Ringen verziert sind.
„Oh.“, sage ich und überlege. „Hmm. Da weiß ich auch nicht.“
Mein Blick gleitet über seine Gestalt und ich bemerke erst jetzt, dass er einen wohl ausgestopften Oberkörper hat. Aber weiblich, abgesehen von Brüsten und Nägeln, wirkt er so ganz und gar nicht. Einordnen kann ich nicht. Mit meiner kanadischen Erfahrung von Crossdressern frage ich ihn genau das: „Bist du Crossdresser?“
„Äh... Was?“
„Naja. Crossdresser.“ Aber ich hake es innerlich als ein „Nein.“ ab. Wenn er in der Szene wäre, würde er den Begriff wohl kennen. Es ist wohl vielmehr eine verlorene Seele, für die Dresden zu klein ist.
„Ich bin – nun – ich bin … Ach – ich zeige Dir, was ich bin.“
Nun krempelt er, zu meiner Verwunderung, sein linkes Hosenbein hoch und reicht mir die ausgeschaltete Fahrradlampe. „Leuchte hin. Dann weißt du, was ich bin.“
„Da weiß ich nicht, ob ich das wissen will.“, sage ich unschlüssig und frage mich, ob das jetzt unter sexuelle Belästigung fällt.
„Wenn du nicht willst, musst du auch nicht.“, antwortet er. Doch die Neugier siegt und ich leuchte auf sein Bein. Die Worte, die mich schockieren sollen, verfehlen ihre Wirkung:
„Ich bin ein Arschlochficker.“
Nun ja. Na denn.
„Hast du das raufgeschrieben? Oder hineintätowiert?“, frage ich mit großen Augen.
„Ich will es noch tätowieren. Aber jetzt habe ich es raufgeschrieben.“
Da setzt sich jemand hin, bevor er das Haus verlässt und schreibt auf seinen Körper, wer er ist. Eigentlich tragisch.
„Also. Da weiß ich wirklich nicht, welchen Club ich Dir empfehlen soll. Da kenne ich mich nicht aus. Ich stehe nicht darauf.“
Und plötzlich habe ich Flashback, wie ich nachts durch Lübeck laufe und mir dort eine genauso verwirrte Seele begegnete. Der sollte ich in die Weichteile treten, die er so hasste, damit er für einen Tag – oder ein paar Minuten – dort nichts mehr spürt.
Der Mann tut mir leid – der dort steht – mit mir. An einer Straßenecke in Dresden.
„Hm. Da hinten ist eine Agentur. Tannenstraße. Da kannst du vielleicht Glück haben und die Prostituierten könnten dir helfen. Das heißt – wenn du Sex willst.“
„Ja. Am liebsten hätte ich eine Aubergine in mir drinn. Weißt du? Dieses lilane Ding. Ich hatte einmal eine Beziehung und für die habe ich mir das Arschloch aufschneiden lassen. Ich kann nur hinten kommen und nicht vorne. Am besten, wenn man mir den Hintern peitscht.“
„Ach.“
Ich zittere nicht, ich lächele ihn an. Und bin seltsamerweise gar nicht so schockiert, wie ich sein sollte. Es gibt alles auf der Welt. Das also auch.
„Willst du mal sehen?“
„Nein. Das ist mir dann doch zu krass.“
„Und wenn ich dir Geld geben würde.“
„Nein. Ich kann niemandem weh tun.“
Und da ist die Entscheidung gefallen und es wird sich verabschiedet.
„Marianne, heiße ich. Und du?“
„Steffen.“
„Na – dann mache es gut.“
Ich ziehe meine Schultern hoch und gehe zurück auf die Party von jemandem, den jemand kennt, den ich kenne und gehe nicht nach Hause. Da kann mir der, den ich nicht kennen will, gestohlen bleiben.
Montag
24 lange Stunden
Wenn sich auf einmal die Dinge überstürzen und man nicht mehr wirklich weiß, was zum Henker eigentlich passiert, dann lebt man wohl richtig...
Dinge geschehen und man kann sie nicht wirklich aufhalten, steht davor und kann nur noch mit dem Kopf schütteln.
Es fing wohl damit an, dass ich früher aus dem Aquarium fliehen wollte und meinem Ex-Chef sagte:
“Heute gehe ich früher. Ich muß heute früher gehen.”
und ich meinen Vermieter in Spe anrief und sagte:
“Ich komme gleich und unterschreibe dann den Mietvertrag.”
“Klar. Kein Problem.”
Ein wunderschöner sonniger Tag in Stanley Park. Die Blätter färben sich golden, der Oktober in seiner schönsten Schönheit.
Ein neuer Abschnitt in Kanada, denke ich.
Und rufe, weil Betsy zu mir meinte, dass sie mit mir reden muß, genau sie an.
“Oh. Hallo. Wir sind hier.”
“Wo hier?”
“Hier.Vor dem Aquarium.”
“Was?”
Jocelyns Geburtstag und als Betsy und ich kurz allein sind sagt sie:
“Ich habe ihr gesagt, daß es Dein Geschenk ist.”
Und ich bin dankbar dafür und müde und geschlagen und kann mich nicht wirklich konzentrieren, aber ich gebe ihnen beiden eine Tour.
Versuche mich zurückzuhalten, versuche nicht zu sehr im Mittelpunkt zu stehen und mache Fotos mit den beiden und lasse mich darauf ein... Und wir sehen uns das Aquarium an.
Todmüde, da die letzten Nächte nicht wirklich geschlafen wurde, schleppe ich mich durch die Gänge...
Todmüde fahre ich mit den beiden Geburtstagskuchen aussuchen und schlage die Einladung zu einer Theateraufführung ab.
Ich muss zu Matt – meinem neuen Vermieter -
Muss, weil ich es einfach nicht mehr mit Ivette und Jeremy aushalte, HEUTE den Mietvertrag unterschreiben.
Für mich ganz allein...Für meine geistige Gesundheit... Für mich...
Granville Island ist weit weit weg von allem.
Dort wo der Kuchen gekauft wurde, dort wo Kuchen verspeist wurde fährt ein einziger Bus.
Zunächst stehe ich eine halbe Stunde auf der einen Seite, dann bemerke ich daß es die falsche Seite war und stelle mich – da der bus gerade weggefahren ist – für eine halbe Stunde auf die andere Seite.
Fahre zur Skytrainstation, fahre zu weit und irgendwann gelingt es mir zu Matt und meiner neuen Heimat zu finden.
“Es tut mir leid.”
“Ist okay.”
Wir gehen über den Mietvertrag und ich lerne die deutsche kennen, deren Zimmer ich übernehmen werde.
Eine dünne Frau aus Stuttgardt... aber nett und lustig... Wenn das ein qualfizierendes Merkmal ist.
“Du sprichst so gut englisch.”
“Hmmm... Naja...”
“Ich war im April krank und ich gehe nach Deutschland zurück, weil ich das Gefühl habe, dass ich dort tatsächlich gesund werden kann.”
“Ohhh....”
Und wir plaudern über die Nachteile Kanadas aber das vorherrschende Gefühl ist schlichte Müdigkeit.
Nicht mehr und nicht weniger.
Pure Müdigkeit.
Am liebsten würde ich hier bleiben. Am liebsten würde ich nicht ins Triumph Haus zurückkehren und doch.
Es ist der Geburtstag von Jocelyn, die mich zwar nicht versteht und nicht wirklich mag. Die zwar sagt: “Du hättest mir jede Menge beibringen können...”, die aber auf alle Versuche meinerseits einen Kontakt herzustellen nicht geantwortet hat und die – so mein Gefühl – prinzipiell nicht mag, daß Betsy und ich uns mögen.
Aber ich muß.
Essen und Duschen und Schlafen...
klingt mir im Hirn.
Essen und Duschen und Schlafen...
Ein Sandwich im Magen und gegen neun im Triumph Haus.
Die Gäste sollen gegen zehn kommen... bis vor ein paar Stunden wußte ich nicht, daß ich eingeladen war... doch...
Ich sehe Gary und Corey in der Einfahrt und weiß, daß aus dem Duschen nichts wird... Wieder einmal zu höflich, um zu sagen:
“Ich hatte nen Scheißtag. Ich will was essen und duschen.”, plaudere ich mit den beiden.
Als sie gegen Halb zehn ins Obergeschoss gehen, um Kuchen zu essen, stopfe ich mir schnell eine Scheibe Brot in den Mund...
hunger gestillt,
Nur noch die Müdigkeit und das Gefühl schmutzig zu sein übrig.
Und ich steige nach oben.
Das Gefühl in meiner eigenen Kurzgeschichte zu sein, schleicht sich erst an mich heran, als ich nach der Party (wo viel über Politik und Zeitgeschehen und die Börse und was auch immer geredet wurde) wieder zurück in die Basementsuite gehe.
Ich steige die steilen Stufen vom Obergeschoß zurück in den tiefsten Morast der Basementsuite.
Und höre schon von draußen meine schwanger spanische Mitbewohnerin in den Telefonhörer brüllen:
“Nein! Nein! Nein!”
oder
“Halt die Klappe!”
oder (mein Lieblingssatz und nicht wirklich so leicht übersetzbar)
“Get over it. Get over it. Get over it.”
Ich schleiche an ihr vorbei, um einem griesgrämigen Blick zu entgehen. Schaue sie vorsichtshalber nicht an und hauche ihr entgegen:
“Gute Nacht.” und verschwinde in meinem Zimmer.
An einschlafen ist natürlich nicht zu denken, dal das Wohnzimmer nicht wirklich weit entfernt ist und die Stimme meiner Mitbewohnerin die Kraft hat durch diverse Holzwände zu dringen.
Nach diversen: “Get over it.No. I am right.” und stundenlangem Gebrülle in Richtung Englands (wo ihr Freund und der Vater ihres Kindes wohnt) kehr endlich die lang ersehnte Stille in die Basementsuite ein.
Nach acht Tagen ohne einen freien Tag. Nach zwei Wochen mit Thanksgiving und der Hölle im Aquarium kommt nun endlich der Schlaf über mich wie ein lang ersehnter Freund. Und JA ich muss an dieser Stelle dramatisch werden. Ich muss sagen:
“Bruder Tod. Komm über mich. Gib mir Stille und Kraft für den neunten Tag Arbeit.”
Und der Schlaf kommt...
Für etwa zwei Stunden, bis der Schlaf geht und stattdessen das Gegiggel der neuen Schnalle meines australischen Mitbewohners in mein Bewusstsein dringt.
“Oh. Nein.” ist mein erster Gedanke und mein zweiter und mein dritter.
Der vierte und fünfte Gedanke ist nicht jugendfrei und wird im amerikanischen Fernsehen weggepiept.
Doch statt laut zu werden resigniere ich innerlich...
Mit Gegiggel ist zu leben und umzugehen. Wenn man dabei auch den Schlaf vergessen kann, doch als meine Wand quasi mit in das “Comingeling” involviert wird und nicht nur Gestöhne, sondern auch lautes Böllern von dem Zimmer nebenan meinen Schlaf stören, stehe ich auf.
Der Schlaf ist weg und will nicht mehr wiederkommen.
Da kann ich genauso gut aufstehen, denke ich in meiner pragmatischen Art.
Die eine Zigarette die ich mir am Morgen erlaube rauchen, den Kaffee trinken und dann zur Arbeit stapfen.
Und ich erhebe mich.
Doch auf dem Weg zum Badezimmer bemerke ich, dass mich auch mein dritter Mitbewohner – der Kater Mr. T - in den Wahnsinn treiben will.
Direkt vor dem Kühlschrank liegt nämlich ein Geschenk, welches ich nicht wirklich zu achten weiss.
Eine kleine und durchaus tote (wie ich am Herausstrecken der Pfoten bemerken kann) Maus.
Zuerst bin ich geschockt, doch dann beruhige ich mich mit dem Gedanken, dass es weitaus schlimmer hätte kommen können. Es hätte eine Ratte sein können. Oder eine aufgeschlitzte Maus.
Eine intakte tote Maus vor dem Kühlschrank ist zwar ekelig, aber nicht so schlimm, wie...
Eigentlich möchte ich die Maus loswerden und versuche all den Mut, den ich in mir habe hervorzukratzen. Doch nicht einmal mit einem Besen oder was auch immer, bin ich bereit die Maus anzufassen.
Ich bringe es einfach nicht übers Herz.
Mein Magen grummelt, doch der Appetit ist mir vergangen und so tue ich das, was ich morgens immer tue. Ich mache mir einen Kaffee, bin dankbar dafür, dass die Kühlschranktür geradewegs an der Mausleiche vorbeischlittern kann und sie nicht berührt wenn ich die Milch aus dem Kühlschrank hole.
Arbeit, denke ich kurzerhand. Arbeit. Arbeit. Arbeit.
Nehme den 135er Bus Richtung Innenstadt und mache mich darauf gefasst, dass es wieder einmal ein schrecklicher Tag werden wird.
Und als ich dann dort stehe.
In dem windigen Eingang des Aquariums...
Und als ich den quietschenden Delphin für die Kinder quietschen lasse, damit sie meiner Kamera ein Lächeln schenken.
Und als ich Sätze sage, wie
“Wenn Du ganz dolle dem Delphin zulächelst, dann quietscht er. Es ist ein magischer Delphin.”
oder
“Würde es ihnen etwas ausmachen vor den Greenscreen zu treten.”
oder
“Ein schnelles Foto aus Spass_”
und als ich herüberblicke zu dem Pult wo meine persischen Mitarbeiter sitzen und den lieben langen Tag Kaffee trinken, kurz während der Arbeitszeit verschwinden und dann wieder auftauchen um weiterhin nichts zu tun.
Und als ich dann dort stehe und überlege und einfache Sätze denke, wie
“Es wäre gut nicht hier zu sein.”
“Es wäre gut hier nicht zu arbeiten.”
“Ich habe einen Magister. Warum tue ich das hier?”, weiss ich, dass der Tag der Kündigung gekommen ist.
Es setzt sich in mir fest und ich kann nichts dagegen tun.
Es setzt sich in mir fest. Der Gedanke will nicht mehr verschwinden.
Und auf einmal geht es mir besser.
Ich komme morgen nicht. Ich werde nicht auftauchen,
Mitlerweile habe ich den “canadian way” kennengelernt und ein wenig inkorporiert. Ich werde nicht mehr die verlässliche Deutsche sein die immer pünktlich, charmant und gut gelaunt ist. Nicht mehr die Deutsche auf die man sich 100 prozentig verlassen kann.
Als ich zurück an den Pult komme wo die Fotos verkauft werden und meine dämliche persische Mitarbeiterin (“Du hast englisch mit dem Fernsehen gelernt? Mit Fernsehserien? Kannst du mir die Namen der Serien aufschreiben, damit ich auch gutes englisch lernen kann?”) früher geht und der Manager nicht mehr da ist, obwohl er mir zugesichert hat, dass ich nur bis vier zu arbeiten brauche wird der innerliche Beschluß noch ein wenig fester und ich frage die Security:
“Kann ich nachdem das Aquarium geschlossen ist noch herumgehen und Fotos machen?”
“Klar!”
“Kann ich auch die Belugas unterwasser sehen?”
“Klar. Du mußt nur den Fahrstuhl nehmen. Alles andere ist abgesperrt.”
Die letzte Arbeitsstunde plätschert ereignislos vor sich hin und als sich die Türen für die Allgemeinheit schließen mache ich mich auf (mit der Kamera von meinem Boss) und mache die Fotos,
Ich klettere über Sicherheitsbegrenzungen hinweg und bin mit dem Seeotter auf Du und Du. Ich steige hinunter zu den Walen, schnacke kurz mit dem Küchenchef, der ein großes Essen vor den Belugas auszurichten hat und Tische beaufsichtigt und halte mich lange in der
Tropic Zone auf....
Und mache Fotos über Fotos.
Als ich dann unten bei den Fröschen bin, fällt mir die Unterwassergallerie von den Delphinen ein. Die haben Jocelyn, Betsy und ich gestern vergessen. Daran habe ich nicht mehr gedacht und ich gehe mit gemessenen und doch ein wenig aufgeregten Schritten dorthin.
Nach ein paar Minuten Knipserei schalte ich die Kamera aus und sehe den Delphinen beim Schwimmen zu.
Das letzte Mal als ich bei ihnen war wollte ich, dass sie kommen. Wollte dass sie mir ihre
Aufmerksamkeit schenken.
Dieses Mal erwarte ich nichts und halte doch meine Hand gegen die Scheibe.
Als zwei der Delphine langsam vorbeischwimmen und mich aus dem Augenwinkel wahrnehmen verbeuge ich mich tief.
Einer der Putzmänner des Aquariums kommt vorbei und ich frage:
“Muss man sich vor einem Delphin verbeugen?”
“Keine Ahnung.”, antwortet er.
Doch tief in meinem Inneren weiß ich: Ja. Das muss man.
Will man mit einem Delphin sprechen, muss man sich verbeugen.
Sie kommen näher heran und einer der Delphine bleibt direkt bei mir. Er steht mir direkt gegenüber.
Und wieder verbeuge ich mich.
Halte meine Augen verborgen.
Halte meine Hand aufrecht und den Kopf tief gesenkt.
Als ich aufschaue, frage ich:
“Darf ich ein Foto von dir machen?”, schalte die Kamera ein und mache ein Foto und dann noch eines, als er sich langsam abwendet und verschwindet.
Und dann geschieht es.
Ein kleiner magischer Moment, als er zurückkommt und diese hohen Töne ausstösst, die mir durch Mark und Bein gehen und die ein unglaublliches Wohlgefühl spenden.
An meinem letzten Arbeitstag im Aquarium hat ein Delphin mit mir geredet und ich weiß ( und da kommt meine ganze in mir verborgene Dramatik einmal mehr zum Ausdruck und trotzdem muß ich es sagen...)
Es war ein
“Lebewohl”
Dinge geschehen und man kann sie nicht wirklich aufhalten, steht davor und kann nur noch mit dem Kopf schütteln.
Es fing wohl damit an, dass ich früher aus dem Aquarium fliehen wollte und meinem Ex-Chef sagte:
“Heute gehe ich früher. Ich muß heute früher gehen.”
und ich meinen Vermieter in Spe anrief und sagte:
“Ich komme gleich und unterschreibe dann den Mietvertrag.”
“Klar. Kein Problem.”
Ein wunderschöner sonniger Tag in Stanley Park. Die Blätter färben sich golden, der Oktober in seiner schönsten Schönheit.
Ein neuer Abschnitt in Kanada, denke ich.
Und rufe, weil Betsy zu mir meinte, dass sie mit mir reden muß, genau sie an.
“Oh. Hallo. Wir sind hier.”
“Wo hier?”
“Hier.Vor dem Aquarium.”
“Was?”
Jocelyns Geburtstag und als Betsy und ich kurz allein sind sagt sie:
“Ich habe ihr gesagt, daß es Dein Geschenk ist.”
Und ich bin dankbar dafür und müde und geschlagen und kann mich nicht wirklich konzentrieren, aber ich gebe ihnen beiden eine Tour.
Versuche mich zurückzuhalten, versuche nicht zu sehr im Mittelpunkt zu stehen und mache Fotos mit den beiden und lasse mich darauf ein... Und wir sehen uns das Aquarium an.
Todmüde, da die letzten Nächte nicht wirklich geschlafen wurde, schleppe ich mich durch die Gänge...
Todmüde fahre ich mit den beiden Geburtstagskuchen aussuchen und schlage die Einladung zu einer Theateraufführung ab.
Ich muss zu Matt – meinem neuen Vermieter -
Muss, weil ich es einfach nicht mehr mit Ivette und Jeremy aushalte, HEUTE den Mietvertrag unterschreiben.
Für mich ganz allein...Für meine geistige Gesundheit... Für mich...
Granville Island ist weit weit weg von allem.
Dort wo der Kuchen gekauft wurde, dort wo Kuchen verspeist wurde fährt ein einziger Bus.
Zunächst stehe ich eine halbe Stunde auf der einen Seite, dann bemerke ich daß es die falsche Seite war und stelle mich – da der bus gerade weggefahren ist – für eine halbe Stunde auf die andere Seite.
Fahre zur Skytrainstation, fahre zu weit und irgendwann gelingt es mir zu Matt und meiner neuen Heimat zu finden.
“Es tut mir leid.”
“Ist okay.”
Wir gehen über den Mietvertrag und ich lerne die deutsche kennen, deren Zimmer ich übernehmen werde.
Eine dünne Frau aus Stuttgardt... aber nett und lustig... Wenn das ein qualfizierendes Merkmal ist.
“Du sprichst so gut englisch.”
“Hmmm... Naja...”
“Ich war im April krank und ich gehe nach Deutschland zurück, weil ich das Gefühl habe, dass ich dort tatsächlich gesund werden kann.”
“Ohhh....”
Und wir plaudern über die Nachteile Kanadas aber das vorherrschende Gefühl ist schlichte Müdigkeit.
Nicht mehr und nicht weniger.
Pure Müdigkeit.
Am liebsten würde ich hier bleiben. Am liebsten würde ich nicht ins Triumph Haus zurückkehren und doch.
Es ist der Geburtstag von Jocelyn, die mich zwar nicht versteht und nicht wirklich mag. Die zwar sagt: “Du hättest mir jede Menge beibringen können...”, die aber auf alle Versuche meinerseits einen Kontakt herzustellen nicht geantwortet hat und die – so mein Gefühl – prinzipiell nicht mag, daß Betsy und ich uns mögen.
Aber ich muß.
Essen und Duschen und Schlafen...
klingt mir im Hirn.
Essen und Duschen und Schlafen...
Ein Sandwich im Magen und gegen neun im Triumph Haus.
Die Gäste sollen gegen zehn kommen... bis vor ein paar Stunden wußte ich nicht, daß ich eingeladen war... doch...
Ich sehe Gary und Corey in der Einfahrt und weiß, daß aus dem Duschen nichts wird... Wieder einmal zu höflich, um zu sagen:
“Ich hatte nen Scheißtag. Ich will was essen und duschen.”, plaudere ich mit den beiden.
Als sie gegen Halb zehn ins Obergeschoss gehen, um Kuchen zu essen, stopfe ich mir schnell eine Scheibe Brot in den Mund...
hunger gestillt,
Nur noch die Müdigkeit und das Gefühl schmutzig zu sein übrig.
Und ich steige nach oben.
Das Gefühl in meiner eigenen Kurzgeschichte zu sein, schleicht sich erst an mich heran, als ich nach der Party (wo viel über Politik und Zeitgeschehen und die Börse und was auch immer geredet wurde) wieder zurück in die Basementsuite gehe.
Ich steige die steilen Stufen vom Obergeschoß zurück in den tiefsten Morast der Basementsuite.
Und höre schon von draußen meine schwanger spanische Mitbewohnerin in den Telefonhörer brüllen:
“Nein! Nein! Nein!”
oder
“Halt die Klappe!”
oder (mein Lieblingssatz und nicht wirklich so leicht übersetzbar)
“Get over it. Get over it. Get over it.”
Ich schleiche an ihr vorbei, um einem griesgrämigen Blick zu entgehen. Schaue sie vorsichtshalber nicht an und hauche ihr entgegen:
“Gute Nacht.” und verschwinde in meinem Zimmer.
An einschlafen ist natürlich nicht zu denken, dal das Wohnzimmer nicht wirklich weit entfernt ist und die Stimme meiner Mitbewohnerin die Kraft hat durch diverse Holzwände zu dringen.
Nach diversen: “Get over it.No. I am right.” und stundenlangem Gebrülle in Richtung Englands (wo ihr Freund und der Vater ihres Kindes wohnt) kehr endlich die lang ersehnte Stille in die Basementsuite ein.
Nach acht Tagen ohne einen freien Tag. Nach zwei Wochen mit Thanksgiving und der Hölle im Aquarium kommt nun endlich der Schlaf über mich wie ein lang ersehnter Freund. Und JA ich muss an dieser Stelle dramatisch werden. Ich muss sagen:
“Bruder Tod. Komm über mich. Gib mir Stille und Kraft für den neunten Tag Arbeit.”
Und der Schlaf kommt...
Für etwa zwei Stunden, bis der Schlaf geht und stattdessen das Gegiggel der neuen Schnalle meines australischen Mitbewohners in mein Bewusstsein dringt.
“Oh. Nein.” ist mein erster Gedanke und mein zweiter und mein dritter.
Der vierte und fünfte Gedanke ist nicht jugendfrei und wird im amerikanischen Fernsehen weggepiept.
Doch statt laut zu werden resigniere ich innerlich...
Mit Gegiggel ist zu leben und umzugehen. Wenn man dabei auch den Schlaf vergessen kann, doch als meine Wand quasi mit in das “Comingeling” involviert wird und nicht nur Gestöhne, sondern auch lautes Böllern von dem Zimmer nebenan meinen Schlaf stören, stehe ich auf.
Der Schlaf ist weg und will nicht mehr wiederkommen.
Da kann ich genauso gut aufstehen, denke ich in meiner pragmatischen Art.
Die eine Zigarette die ich mir am Morgen erlaube rauchen, den Kaffee trinken und dann zur Arbeit stapfen.
Und ich erhebe mich.
Doch auf dem Weg zum Badezimmer bemerke ich, dass mich auch mein dritter Mitbewohner – der Kater Mr. T - in den Wahnsinn treiben will.
Direkt vor dem Kühlschrank liegt nämlich ein Geschenk, welches ich nicht wirklich zu achten weiss.
Eine kleine und durchaus tote (wie ich am Herausstrecken der Pfoten bemerken kann) Maus.
Zuerst bin ich geschockt, doch dann beruhige ich mich mit dem Gedanken, dass es weitaus schlimmer hätte kommen können. Es hätte eine Ratte sein können. Oder eine aufgeschlitzte Maus.
Eine intakte tote Maus vor dem Kühlschrank ist zwar ekelig, aber nicht so schlimm, wie...
Eigentlich möchte ich die Maus loswerden und versuche all den Mut, den ich in mir habe hervorzukratzen. Doch nicht einmal mit einem Besen oder was auch immer, bin ich bereit die Maus anzufassen.
Ich bringe es einfach nicht übers Herz.
Mein Magen grummelt, doch der Appetit ist mir vergangen und so tue ich das, was ich morgens immer tue. Ich mache mir einen Kaffee, bin dankbar dafür, dass die Kühlschranktür geradewegs an der Mausleiche vorbeischlittern kann und sie nicht berührt wenn ich die Milch aus dem Kühlschrank hole.
Arbeit, denke ich kurzerhand. Arbeit. Arbeit. Arbeit.
Nehme den 135er Bus Richtung Innenstadt und mache mich darauf gefasst, dass es wieder einmal ein schrecklicher Tag werden wird.
Und als ich dann dort stehe.
In dem windigen Eingang des Aquariums...
Und als ich den quietschenden Delphin für die Kinder quietschen lasse, damit sie meiner Kamera ein Lächeln schenken.
Und als ich Sätze sage, wie
“Wenn Du ganz dolle dem Delphin zulächelst, dann quietscht er. Es ist ein magischer Delphin.”
oder
“Würde es ihnen etwas ausmachen vor den Greenscreen zu treten.”
oder
“Ein schnelles Foto aus Spass_”
und als ich herüberblicke zu dem Pult wo meine persischen Mitarbeiter sitzen und den lieben langen Tag Kaffee trinken, kurz während der Arbeitszeit verschwinden und dann wieder auftauchen um weiterhin nichts zu tun.
Und als ich dann dort stehe und überlege und einfache Sätze denke, wie
“Es wäre gut nicht hier zu sein.”
“Es wäre gut hier nicht zu arbeiten.”
“Ich habe einen Magister. Warum tue ich das hier?”, weiss ich, dass der Tag der Kündigung gekommen ist.
Es setzt sich in mir fest und ich kann nichts dagegen tun.
Es setzt sich in mir fest. Der Gedanke will nicht mehr verschwinden.
Und auf einmal geht es mir besser.
Ich komme morgen nicht. Ich werde nicht auftauchen,
Mitlerweile habe ich den “canadian way” kennengelernt und ein wenig inkorporiert. Ich werde nicht mehr die verlässliche Deutsche sein die immer pünktlich, charmant und gut gelaunt ist. Nicht mehr die Deutsche auf die man sich 100 prozentig verlassen kann.
Als ich zurück an den Pult komme wo die Fotos verkauft werden und meine dämliche persische Mitarbeiterin (“Du hast englisch mit dem Fernsehen gelernt? Mit Fernsehserien? Kannst du mir die Namen der Serien aufschreiben, damit ich auch gutes englisch lernen kann?”) früher geht und der Manager nicht mehr da ist, obwohl er mir zugesichert hat, dass ich nur bis vier zu arbeiten brauche wird der innerliche Beschluß noch ein wenig fester und ich frage die Security:
“Kann ich nachdem das Aquarium geschlossen ist noch herumgehen und Fotos machen?”
“Klar!”
“Kann ich auch die Belugas unterwasser sehen?”
“Klar. Du mußt nur den Fahrstuhl nehmen. Alles andere ist abgesperrt.”
Die letzte Arbeitsstunde plätschert ereignislos vor sich hin und als sich die Türen für die Allgemeinheit schließen mache ich mich auf (mit der Kamera von meinem Boss) und mache die Fotos,
Ich klettere über Sicherheitsbegrenzungen hinweg und bin mit dem Seeotter auf Du und Du. Ich steige hinunter zu den Walen, schnacke kurz mit dem Küchenchef, der ein großes Essen vor den Belugas auszurichten hat und Tische beaufsichtigt und halte mich lange in der
Tropic Zone auf....
Und mache Fotos über Fotos.
Als ich dann unten bei den Fröschen bin, fällt mir die Unterwassergallerie von den Delphinen ein. Die haben Jocelyn, Betsy und ich gestern vergessen. Daran habe ich nicht mehr gedacht und ich gehe mit gemessenen und doch ein wenig aufgeregten Schritten dorthin.
Nach ein paar Minuten Knipserei schalte ich die Kamera aus und sehe den Delphinen beim Schwimmen zu.
Das letzte Mal als ich bei ihnen war wollte ich, dass sie kommen. Wollte dass sie mir ihre
Aufmerksamkeit schenken.
Dieses Mal erwarte ich nichts und halte doch meine Hand gegen die Scheibe.
Als zwei der Delphine langsam vorbeischwimmen und mich aus dem Augenwinkel wahrnehmen verbeuge ich mich tief.
Einer der Putzmänner des Aquariums kommt vorbei und ich frage:
“Muss man sich vor einem Delphin verbeugen?”
“Keine Ahnung.”, antwortet er.
Doch tief in meinem Inneren weiß ich: Ja. Das muss man.
Will man mit einem Delphin sprechen, muss man sich verbeugen.
Sie kommen näher heran und einer der Delphine bleibt direkt bei mir. Er steht mir direkt gegenüber.
Und wieder verbeuge ich mich.
Halte meine Augen verborgen.
Halte meine Hand aufrecht und den Kopf tief gesenkt.
Als ich aufschaue, frage ich:
“Darf ich ein Foto von dir machen?”, schalte die Kamera ein und mache ein Foto und dann noch eines, als er sich langsam abwendet und verschwindet.
Und dann geschieht es.
Ein kleiner magischer Moment, als er zurückkommt und diese hohen Töne ausstösst, die mir durch Mark und Bein gehen und die ein unglaublliches Wohlgefühl spenden.
An meinem letzten Arbeitstag im Aquarium hat ein Delphin mit mir geredet und ich weiß ( und da kommt meine ganze in mir verborgene Dramatik einmal mehr zum Ausdruck und trotzdem muß ich es sagen...)
Es war ein
“Lebewohl”
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