Donnerstag

Die Hexe der Bahn

Ich sitze in der Bahn und träume leise vor mich hin. Wir sind bereits über den Pirnaischen Platz hinaus und bald kann ich aussteigen und zu meinen zu unterrichtenden Kindern stiefeln.
Die Bahntür geht auf und auf einmal ist eine schrille Stimme zu hören: „Seppel? Seppel! Seeepppeel.“
Eine alte Frau, von relativ undefinierbarem Alter, jedoch mindestens 85, ist eingestiegen. Sie ist dürr, bewegt sich vornübergebeugt und hat eingefallene Wangen. Ihre weißgrauen Haare sind zu einem losen Dutt zusammengefasst.
Und sie setzt sich direkt neben eine Frau, deren Hund sich angesprochen fühlen muss. Seppel heißt er gewiss nicht, denn so heißen Pudel nicht. Aber die Frau scheint ihn jetzt so zu nennen.
Ab und an stößt sie ein lautes Pusten aus. Und immer wieder ruft sie „Seppel.“
Ob sie die Hundebesitzerin ansieht, kann ich nicht erkennen. Jedoch, dass die Hundebesitzerin mit aller Kraft versucht, sich nicht angesprochen zu fühlen.
Ein lautes Kichern, ein lautes „Seppel“ und leider muss ich aussteigen.

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