Samstag

Profanität einer Kündigung


Der Sohn vom Chef. Ach – wie soll ich anfangen. Der Sohn vom Chef ist ein BWLer und für die Kundenaquise im Unternehmen zuständig? Nein. Nein. Der Sohn vom Chef ist AUCH zuständig für die IPads. Ja. Das ist der richtige Anfang, um die unlustig – lustige Geschichte meiner jüngsten Kündigung zu erzählen. Denn Ipads sind wichtig und waren teuer und alle Lehrer haben nun eins und das ist nicht nur wegen der Steuereinsparung. Nein! Das ist vor allem dafür da, dass die Lehrer es einfacher haben. Nun ja...
Die Personalerin rief mich eines Dienstags an:
„Kannst du morgen einspringen? Ich habe niemanden. Kannst du bitte kommen? Ich bin schon fast im Urlaub und ich habe keine Lust mehr.“ Sie bettelte fast und so sagte ich zu:
„Ja. Kann ich wohl machen. Es sind ja Herbstferien und ich kann nachmittags arbeiten.“
„Oh. Dankeschön.“
So schnappte ich mir am nächsten Tag mein Ipad, wo die Unterrichtsmaterialien hübsch ordentlich abgespeichert sind und machte mich auf den Weg. Pünktlich wie immer – natürlich muss ich das jetzt sagen und tatsächlich kam ich in meiner zehnmonatigen Arbeitszeit bei diesem Job nie unpünktlich, sondern immer zehn Minuten zu früh – war ich im Büro. Auf meinem Ipad sollten noch Aktualisierungen vorgenommen werden. Unter anderem ein „Deutsch für Ärzte“ Buch. Gut. Gut. Leider hatte ich nicht mit dem Extra 3 Podcast gerechnet, welcher sich auf dem Ipad befand und welcher die letzten 100 000 Folgen von Extra 3 heruntergeladen und somit meine Speicher gesprengt hatten.
Der Sohn vom Chef war „not amused“. Erschwerte es seine Arbeit doch um einiges. In etwa zwei Minuten. Lassen wir es fünf sein. Immer hübsch fair bleiben.
Beim eigentlichen Unterricht wurde klar, dass der Arzt aus Bulgarien gar kein „Deutsch für Ärzte“ lernen will, sondern stattdessen seine Angst vor dem Telefon und die Aktivierung seines passiven Wortschatzes betreiben wollte. Klar. Machen wir. Kriegen wir hin. Keine Panik.
Und es ist wirklich eine unlustige Geschichte, merke ich, wo ich das jetzt schreibe, denn bei der Terminabsprache – also wann denn der Arzt und ich gemeinsam die Passivität abbauen und die Aktivierung der Sprache betreiben würden – gestaltete sich als schwierig. Vom Sohn vom Chef künstlich schwierig gehalten. Ich kenne meinen Plan.
„Dienstag Abend könnte ich. Mittwoch auch. Die anderen Tage kann ich leider nicht, da die Herbstferien nächste Woche vorbei sind.“
Schluss und aus. Die Personalerin verschwand in den Urlaub und in dem Sohn vom Chef schien es zu gären. Denn diese beiden Dinge. Meine Aussage (VOR dem Kunden), dass ich nur am Dienstag und Mittwoch des Abends könnte und die Tatsache, dass Extra 3 meinen Speicherplatz gefressen hatte, reichten aus.
Der Sohn vom Chef 
KANN
NICHT
mit mir zusammenarbeiten. So sagte er es seiner Mutter. Der Chefin. Und so sagte er es seinem Vater. Dem Chef.
Mir hingegen sagte er nichts. Weil wir ja nie wirklich zusammengearbeitet haben.Es erreichte mich nur die Aufforderung (in einer förmlichen Mail, ohne ein Wort zuviel - jedoch mit jeder Menge Rechtschreibfehlern) das Ipad jetzt wieder zurückzugeben. Ich bräuchte es ja nicht und andere bräuchten es mehr.

„Was ist denn los? Warum arbeitest du nicht mehr hier? Was ist denn passiert? Ich kam aus dem Urlaub und ein neuer B2 Kurs hat begonnen und du warst nicht da? Nur der Olaf?“
Ach der Olaf, den ich dem Unternehmen wärmstens empfohlen hatte. Der hat jetzt meinen Job, dachte ich bei mir und war – tatsächlich und tief in meinem Inneren – hochgradig amüsiert.

Der Sohn vom Chef. Ach – wie soll ich enden...oder ihm ohne zu Lachen mit ganzer Professionalität in die Augen sehen?

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